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3. September 2026 – Artenschutzprojekt für Zitronenzeisig, Waldbirkenmaus und Co.

Sie kommen nur in den Alpen vor und sind auf intakte, vielfältige Lebensräume angewiesen: der Zitronenzeisig, die Waldbirkenmaus und die Bayerische Kurzohrmaus gehören zu den seltenen Tierarten, für deren Schutz im bayerisch-tirolerischen Grenzraum neue Maßnahmen entwickelt werden. Unter dem Namen ZiWaCo – Zitronenzeisig, Waldbirkenmaus und Co. haben der Alpenzoo Innsbruck-Tirol, das Land Tirol, der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und die Regierung von Schwaben ein gemeinsames grenzüberschreitendes Schutzprojekt gestartet.

Bis Ende 2028 sollen wertvolle Lebensräume des alpinen Offenlands und lichter Waldbereiche untersucht, aufgewertet und langfristig gesichert werden. Das Gesamtbudget des Projekts „BA0100473 – Zitronenzeisig, Waldbirkenmaus und Co. (ZiWaCo) Schutz von Alpen-Endemiten im bayerisch-tirolerischen Grenzraum“ beläuft sich auf rund 822.000 Euro. Es wird zu 75 % (rund 616.000 Euro) durch die Europäische Union im Rahmen des Förderprogramms INTERREG VI-A Bayern-Österreich 2021–2027 kofinanziert. Die Finanzierung des Eigenanteils von 25 % erfolgt durch den LBV, den Alpenzoo Innsbruck-Tirol, das Land Tirol sowie das Bayerische Umweltministerium und den Bayerischen Naturschutzfonds.

„Ob Alm in Oberbayern oder Alpe im Allgäu: Die traditionell bewirtschafteten Bergflächen sind wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten“, erläutert Ethelbert Babl von der Regierung von Schwaben. Gerade für Arten, deren weltweite Verbreitung auf die alpinen Gebiete beschränkt oder stark eingegrenzt ist, haben diese Lebensräume eine besondere Bedeutung. Maßnahmen für die Zielarten kommen dabei zahlreichen weiteren Vogel- und Kleinsäugerarten zugute.

Zitronenzeisig unter Druck
Besonders aufmerksam beobachten die Projektpartner die Entwicklung des Zitronenzeisigs. Für die Finkenart zeichnet sich im bayerischen Projektgebiet derzeit ein deutlicher Rückgang ab, und auch in Tirol konnten deutliche Rückgänge festgestellt werden. „Gemeinsam gehen wir im Projekt den genauen Ursachen für das Verschwinden auf den Grund“, erklärt Florian Lehne von der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol. „Auf Basis dieser grenzübergreifenden Daten können wir gezielte Schutzmaßnahmen wie die Wiederherstellung nahrungsreicher Offenlandstrukturen und Trittsteinbiotope direkt vor Ort umsetzen.“

Bei den zu untersuchenden Kleinsäugern können die Projektpartner unter anderem auf Erfahrungen und Erkenntnisse aus einem vorangegangenen Interreg-Projekt des Alpenzoo und des Bayerischen Landesamtes für Umwelt „(BA0200319 – Wir retten eine (fast) unbekannte Art – Das Artenschutzprojekt Bayerische Kurzohrmaus (Microtus bavaricus) in der EZWK 2025-2026)“ aufbauen. „Die daraus gewonnenen Erkenntnisse über die Bayerische Kurzohrmaus wollen wir mit bestehendem Wissen zur Waldbirkenmaus im Alpenraum kombinieren – diese wichtige Datengrundlage werden wir in diesem neuen Projekt für den effektiven Schutz gefährdeter Kleinsäuger in alpinen Lebensräumen einsetzen“, berichtet Nora Weyer, Artenschutzkoordinatorin am Alpenzoo Innsbruck-Tirol. Idealerweise werden von den Maßnahmen auch weitere gefährdete Kleinsäuger profitieren. André Stadler, Direktor vom Alpenzoo erklärt: „Mit dem Projekt ZiWaCo schützen wir seltene Arten und ihre Lebensräume, gemeinsam und über die Grenzen hinweg. So bewahren wir die besondere Vielfalt der Alpen am effektivsten.“

Traditionelle Berglandwirtschaft als Schlüssel zum Artenschutz
Eine zentrale Rolle für das Projekt spielt die extensive traditionelle Bewirtschaftung von Almen und Alpen. Sie hält Flächen offen und schafft strukturreiche Übergänge zwischen Wiesen, Weiden und Wald – Lebensräume, in denen viele seltene Arten vorkommen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Bayerischen Staatsforsten, die Österreichischen Bundesforste und die Alm- und Alpgemeinschaften ihre Unterstützung für das Projekt signalisiert haben“, sagt Michael Schödl, Alpenreferent beim LBV. Gemeinsam mit Grundeigentümern und Bewirtschaftern wollen die Projektpartner klären, welche Maßnahmen bereits geplant sind, wo Handlungsbedarf besteht und welche Unterstützung gewünscht wird. Dabei geht es auch um Herausforderungen durch Klimawandel und veränderte Nutzungsbedingungen. So gewinnt die Wasserversorgung angesichts zunehmender Trockenheit an Bedeutung. Gleichzeitig verbuschen und verwalden offene Flächen zunehmend. Über das Projekt können geeignete Maßnahmen unterstützt und mit bereits laufenden Aktivitäten abgestimmt werden.

Gemeinsamer Schutz über Grenzen hinweg
Mit einer ersten Arbeitssitzung in der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen wurde das Projekt Anfang September offiziell gestartet. Bereits in der Antragsphase wurden die ZiWaCo-Partner von den nationalen EUREGIO-Geschäftsstellen unterstützt. Zum Auftakt war auch Sabrina Blandau, Geschäftsführerin der EUREGIO Zugspitze-Wetterstein-Karwendel, anwesend.Der grenzüberschreitende Ansatz ist entscheidend: Die Lebensräume und Populationen der Zielarten machen nicht an politischen Grenzen halt – ihre Gefährdung auch nicht. Die Partner aus Bayern und Tirol wollen deshalb Forschung, Monitoring und konkrete Schutzmaßnahmen eng miteinander verzahnen – über die Ländergrenze hinweg.

Ansprechpartner

Für die Lead-Projektabwicklung und den LBV
Michael Schödl (michael.schoedl@lbv.de; +49 (0)1523 – 466 25 06)

Für die Koordination Kleinsäuger und den Alpenzoo Innsbruck-Tirol
Nora Weyer (n.weyer@alpenzoo.at; +43 (0)664 – 347 14 95)

Für das Land Tirol
Florian Lehne (florian.lehne@tirol.gv.at; +43 (0)512 – 508 34 31)

Für die Regierung von Schwaben
Ethelbert Babl (ethelbert.babl@reg-schw.bayern.de; +49 (0)821 – 327 34 60)

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